Paläographie (griech. palaios 'alt' , graphein 'schreiben')


Historische Hilfswissenschaft, die sowohl die Entwicklungsgeschichte der Schrift behandelt als auch zum Lesen, Datieren und Lokalisieren von Handschriften auf Grund graphischer Merkmale befähigt. Von Jean MABILLON (1632 - 1707) in De re diplomatica libri VI (1681) für den lateinischen und Bernard de MONTFAUCON (1655 - 1741) in der Paleographia graeca (1708) für den griechischen Bereich zuerst systematisiert , wurde sie von Ludwig TRAUBE (1861 - 1907) zur modernen Wissenschaft entwickelt.

Lateinische und griechische Paläographie können im europäischen Wissenschaftsbetrieb eigenständig organisiert sein, während die Paläographie als Erforschung älterer Schriftzeugnisse in anderen Schriftsystemen und Sprachen i.d.R. nur in enger Verbindung mit den jeweiligen Philologien betrieben werden kann (bibliographische Hinweise).
Das Kulturphänomen Schrift ermöglicht die entpersonalisierte Kommunikation und die dauerhafte Mitteilung von Sprache und ist Kennzeichen von Hochkulturen. Durch Rationalisierung des Schreib- und Lesevorgangs werden aus unhandlichen Bilderschriften erst Zeichenschriften, dann Silbenschriften und am Ende der Entwicklung steht die Buchstabenschrift, die durch entsprechende Kombination von Buchstaben fast alle lautlichen Erscheinungen einer Sprache aufzeichnet. Bei der Übernahme eines Alphabets in eine andere Sprache sind oft zusätzliche Zeichen oder Anpassungen erforderlich.
Neben der allgemeinen Entwicklung von Schriften, vorwiegend der Buchstabenschriften, untersucht die Paläographie auch die individuellen Merkmale, d.h. einzelne Buchstabenformen, Kürzungen, Ligaturen, Satzzeichen und den Duktus, den Gesamteindruck der Schrift, der durch Neigung, Strichstärke, Tinte mit bestimmt wird. Dies ermöglicht es, eine bestimmte Schreiberhand zu charakterisieren, wobei nur in seltenen Fällen damit ein konkreter Name verbunden werden kann. Erst die im Spätmittelalter üblicheren Kolophone erlauben dies auf breiterer Basis.
Zunehmend treten auch sozialgeschichtliche Fragestellungen, vor allem nach der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Position von Schreibern, neben die kulturgeschichtlichen Aspekte der Geschichte von Bibliotheken und Schreibschulen. Schreiben und Lesen waren von einander getrennte Kulturfertigkeiten, doch war Bildung schon im Mittelalter ein Element des sozialen Aufstiegs.

Die Entwicklung des römischen Alphabets und die Geschichte der lateinischen Schriftarten finden Sie auf der Seite Schriftarten.
Wer des Französischen mächtig ist, kann auch das Angebot der Pariser Nationalbibliothek nutzen, das neben der Entwicklung der griechischen und lateinischen Schrift zu allen Formen von Schrift Informationen und eine einführende, überwiegend frankophone Bibliographie bietet.

In enger sachlicher Verbindung mit der Paläographie stehen Diplomatik, Epigraphik und Handschriftenkunde.


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Literatur

allgemeines

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Ältere Schriften dienen auch als Anregung für Schriftanwender (Kalligraphen und Graphiker ):

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Handbücher zur lateinischen Paläographie


Arbeiten zur nichtlateinischen und nicht griechischen Paläographie .

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Diese Angaben dienen nur der Information, eine sachliche Bewertung ist mir nicht möglich.

 

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© Horst Enzensberger 1997. Letzte Änderung am 1. Februar 2005